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Vielfältige Bilder vom Werden Österreichs

"Das neue Österreich"

Schiele: Familienbildnis

Egon Schiele: Familienbildnis, 1918.
/ Bild: Österreichische Galerie Belvedere, Wien

Am historischen Schauplatz im Belvedere, in einem der schönsten Barockschlösser Europas, spürt die Ausstellung "Das neue Österreich" der wechselvollen Geschichte und den künstlerischen Entwicklungen Österreichs im 20. Jahrhundert nach.

Information und Buchung:

Österreichische Galerie Belvedere
Kunstvermittlung & Besucherservice
Tel: 01/79557-262 oder Fax: 01/79557-136
info@dasneueoesterreich.at
http://www.dasneueoesterreich.at

Ausgehend vom Zerfall Österreich-Ungarns und der damit verbundenen Neuorientierung, werden die schweren Jahre der Zwischenkriegszeit, des Zweiten Weltkriegs und der Besatzungszeit dargestellt. Ein weiter Bogen führt von der Neubildung des demokratischen Österreich, über die Jahre des Wiederaufbaus und wirtschaftlichen Aufschwungs, des Kalten Krieges und der Bedrohung durch den Eisernen Vorhang zum heutigen, neutralen Österreich, Mitglied der Vereinten Nationen und der Europäischen Union.

Die Ausstellung „Das neue Österreich“, die im Titel an die erste Nachkriegszeitung „Neues Oesterreich. Organ der demokratischen Einigung“ erinnert, übersetzt mit technisch innovativer und interaktiver Inszenierung und im Dialog mit der bildenden Kunst die komplexen wissenschaftlichen und kulturellen Themen in ein vielfältiges Bild vom Werden Österreichs.

Das Budget der Ausstellung „Das neue Österreich“ beträgt 2,1 Mill. Euro. Diese Summe wird zu je einem Drittel vom Bund, von der Stadt Wien und einer privaten Sponsorengruppe, angeführt von Hannes Androsch, aufgebracht. Die Österreichische Galerie Belvedere organisierte die Ausstellung. Ihr obliegt im Wesentlichen die Durchführung dieses historisch wichtigen Projektes. Das Museum stellte dafür nicht nur die Räumlichkeiten im ersten Stock, sondern auch die gesamte Infrastruktur des Hauses zur Verfügung. Wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung ist Günter Düriegl, dem ein interdisziplinäres Team hochqualifizierter Wissenschafter zur Seite stand.

Zerfall und Neuorientierung

Lange war vom unvermeidlichen Krieg gesprochen worden. 1914 wurde er entfesselt. Nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau in Sarajevo wollte Österreich einen Rachefeldzug gegen Serbien führen. Doch aus einem begrenzten Krieg wurde ein Weltkrieg. Acht Millionen Soldaten kämpften allein auf österreichisch-ungarischer Seite. Die Wirtschaft der Habsburgermonarchie wurde ganz in den Dienst des Krieges gestellt. Um nicht zu unterliegen, schlossen sich Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich immer enger zusammen. Ende 1916 starb Kaiser Franz Joseph I. Sein Nachfolger, Kaiser Karl I., versuchte vergeblich Frieden zu schließen, doch er konnte weder die Niederlage noch den Zerfall Österreich-Ungarns verhindern. Im November 1918 bat Österreich-Ungarn um Waffenstillstand. Auf dem Gebiet der alten Donaumonarchie entstanden neue Nationalstaaten – einer davon wurde die Republik Deutsch-Österreich.

Zwischenkriegszeit

Die Periode der Zwischenkriegszeit umfasst die zwei Jahrzehnte von der Gründung der Ersten Republik im November 1918 bis zur Besetzung Österreichs im März 1938 durch deutsche Truppen. Diese Zeit war durch zwei verschiedene politische Systeme gekennzeichnet. Die Erste Republik basierte bis 1933/34 auf einer demokratischen Verfassung mit einem Parteienpluralismus. Von 1934 bis 1938 war Österreich ein autoritärer Staat mit einem politischen Monopol der Vaterländischen Front.

Dieser „Ständestaat“ war durch Engelbert Dollfuß begründet und nach dessen Ermordung 1934 von Kurt Schuschnigg weitergeführt worden. Der politische Grundkonsens für ein demokratisches Österreich wurde durch die tiefen Brüche zwischen den politisch-weltanschaulichen Lagern, verstärkt durch die wirtschaftliche Instabilität und die seit 1929 rasch wachsende soziale Not, sowie durch die auch von außen (Italien, Deutschland) geförderten antidemokratischen Tendenzen zerstört. Der Bürgerkrieg vom Februar 1934 bedeutete das Ende der Demokratie.

Die sieben dunklen Jahre von März 1938 bis zum Kriegsende 1945 waren und sind die Achse, um die sich die österreichische und europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts dreht: ohne die NS-Zeit keine Spaltung Europas, kein Kalter Krieg, keine Nachkriegsordnung, kein Staatsvertrag, keine Europäische Union. Österreich verlor in diesen Jahren nicht nur Freiheit und Unabhängigkeit, sondern vor allem hunderttausende Menschen: Verfolgte, Vertriebene, im Krieg Gefallene, in den KZs Ermordete, im Bombenkrieg Umgekommene. Aber die NS-Zeit bedeutete nicht nur Verfolgung, Krieg und Terror. Sehr viele Österreicher erlebten sie zunächst als Chance, aus der wirtschaftlichen Not herauszukommen, aufzusteigen, neue Karrieren zu beginnen. Wie tief das Regime das Leben prägte, veränderte und kontrollierte und welche Handlungsspielräume die Menschen hatten, wird entlang einer Reihe exemplarischer Biografien gezeigt: in Österreich selbst, das als Land und Name nicht mehr existierte, und im Exil, wo Österreich als Erinnerung und Hoffnung weiterlebte.

Besatzungszeit

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurde Österreich von der Roten Armee sowie von französischen, amerikanischen und britischen Truppen befreit. Noch Anfang April 1945 wurde Karl Renner von Stalin mit der Bildung einer provisorischen Staatsregierung betraut, und am 27. April 1945 wurde Österreichs Unabhängigkeit ausgerufen. Doch war Österreich nicht nur befreit, sondern auch besetzt und geteilt worden. Bis 1955 gab es eine amerikanische, eine britische, eine französische und eine russische Besatzungszone.

Die Regierungen Renner und danach Figl und Raab setzten alles daran, den Abzug der Alliierten zu erreichen. Sie sahen sich als Vertreter eines neuen Österreich. Das Neue war vor allem die Einigkeit, die durch die alliierte Besatzung erzwungen worden war. Die politische Unabhängigkeit erreichte Österreich aber erst mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags am 15. Mai 1955 und dem Abzug der alliierten Truppen.

Staatsvertrag

Zentrales Ereignis der Ausstellung ist der Österreichische Staatsvertrag, der am 15. Mai 1955 im Marmorsaal des Oberen Belvedere unterschrieben wurde. Das Original des Staatsvertrages befindet sich heute im Moskauer Außenministerium. 1947 begannen zwar bereits die ersten Verhandlungen, aber erst nach mehr als 200 Verhandlungsrunden mit vielen Unterbrechungen und nach Österreichs Absichtserklärung, neutral zu werden, einigten sich die alliierten Besatzermächte mit Österreich auf einen gemeinsamen Text.

Der umfassende Vertrag regelte u. a. die Anerkennung Österreichs als unabhängigen Staat, den Abzug der Alliierten, das Verbot eines Anschlusses an Deutschland, die Anerkennung der Menschenrechte und die Rechte slowenischer und kroatischer Minderheiten in Österreich. Nach der Unterzeichnung des Vertrages, der am 27. 7. 1955 in Kraft trat, verkündete Außenminister Leopold Figl: „Österreich ist frei!“

Neutralität und Vereinte Nationen

Nachdem sich die österreichische Bundesregierung im April 1955 gegenüber der Sowjetunion zu einer „Neutralität nach dem Muster der Schweiz“ verpflichtet hatte, konnte der Österreichische Staatsvertrag im Mai 1955 unterschrieben werden. Nach dem Abzug der Besatzungstruppen beschloss das österreichische Parlament am 26. Oktober 1955 das Neutralitäts-Gesetz. Anders als die Schweiz trat Österreich am 14. 12. 1955 den Vereinten Nationen (UNO – United Nations Organization) bei und investierte immer nur bescheidene Mittel in die militärische Absicherung seiner Neutralität. Dafür betrieb Österreich eine aktive UNO- und Neutralitätspolitik, die mit den Namen Bruno Kreisky und Kurt Waldheim (von 1971 bis 1981 UN-Generalsekretär) verbunden ist. Ab 1960 beteiligte sich Österreich an zahlreichen Frieden sichernden UN-Einsätzen, und mit dem Bau der UNO-City wurde Wien dritter UNO-Standort. Außenminister Bruno Kreisky brachte 1960 im Auftrag der Bundesregierung die Südtirol-Frage vor die UNO. 1992 konnte Außenminister Alois Mock vor der Generalversammlung die Erklärung zur Streitbeilegung abgeben.

Kalter Krieg und Eiserner Vorhang

Österreich lag 44 Jahre lang am Ende der „freien Welt“, am Eisernen Vorhang, der imaginären Front des Kalten Krieges. Der Osten war vom Westen durch ein mörderisches Abriegelungssystem getrennt, Berlin durch eine Mauer geteilt. Das neutrale Österreich lag zwischen den Blöcken der NATO (North Atlantic Treaty Organization) und des Warschauer Pakts. Es diente den Supermächten als Begegnungsort, als Drehscheibe für Spionage und als Schachbrett für strategische Gedankenspiele. Der Ungarnaufstand 1956 und die Wiederbesetzung der Tschechoslowakei 1968 bedeuteten eine unmittelbare Bedrohung für Österreich. Nuklearwaffen zementierten die politische Erstarrung der Welt.

Das Gleichgewicht des Schreckens und die Angst vor dem atomaren Ernstfall bestimmten die internationale Politik. Die Unterzeichnung der KSZE (Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit) – Schlussakte von Helsinki 1975, worin sich auch die kommunistischen Regime zu Menschenrechten und Grundfreiheiten bekannten, leitete eine neue Ära ein. Durch den Reformkurs Michail Gorbatschows kam es zur Entspannung in Rüstungsfragen und letztlich zur Implosion des Ostens. Im Juni 1989 durchtrennten der österreichische und der ungarische Außenminister den Eisernen Vorhang, der 1.065 Opfer gefordert hatte.

Identität

Identität – was ist das? Identität ist Wesenseinheit. Österreichische Identität ist also die Übereinstimmung der Österreicher mit ihrem Land, ihrem Staat. Alles klar? Nicht ganz. Mann und Frau, Arm und Reich, Jung und Alt, Professoren und Kreuzelschreiber, Eingebürgerte und Alteingesessene – sie alle bekennen sich zu Österreich auf verschiedenste Art. Wenn sie sich überhaupt zu Österreich bekennen. Wie stellt man das dar? Wie stellt man das aus? Indem man zeigt, was war und zeigt, was ist, indem man zeigt, was gelitten und geschaffen wurde, indem man das Große nicht übertreibt und das Grauen nicht verschweigt. Die Dichterin Bachmann: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

Der Staatsvertrag wurde uns nicht geschenkt. Wir haben ihn uns zumindest im Nachhinein verdient. Das wäre ein Grund, sich zur Zweiten Republik zu bekennen. In Wesenseinheit. Alles klar?

Klischee und Wirklichkeit

Klischee bedeutet Abklatsch. Etwas, das durch zu häufigen Gebrauch abgedroschen wirkt. Typisches Österreich – Klischee: der Lederhosenträger mit Steirerhut. Weitere Klischees: Salzburger Nockerln, Kaiser Franz Joseph, das süße Mädel, der Heurige, die blaue Donau, das Weiße Rössl am Wolfgangsee und Küss´ die Hand. Die Wirklichkeit: Die Kinderdörfer und „Nachbar in Not“, die Sauberkeit und Sicherheit der Städte, die Stopfenreuther Au, der Wohlstand und die Caritas, die Hospize und der soziale Wohnbau.

Aber auch: Die Bürokratie, der Einsturz der Reichsbrücke und die Seilbahnkatastrophe von Kaprun, die Bausünden, die Fremdenfeindlichkeit der meisten und die Oberflächlichkeit so vieler. Lässt sich das, inklusive Hermann Maier, Romy Schneider, Helmut Qualtinger, Elfriede Jelinek und Arnold Schwarzenegger unter einen Hut bringen? Ja. Wir haben nämlich einen Zaubertisch.

Krisen und Wohlstand

Die wirtschaftliche Entwicklung nach 1918 führte Österreich vom „krisengeschüttelten“ zu einem „reichen“ Land. Die Erste Republik (1918 bis 1934) konnte das Erbe der Monarchie wirtschaftlich noch nicht nutzen. Durch eine Kette von Krisen – galoppierende Inflation, Depression sowie fehlender gesellschaftlicher Konsens und politische Radikalisierung in den 1930er Jahren, Zweiter Weltkrieg – verlor Österreich gegenüber dem westeuropäischen Wohlstandsniveau deutlich an Terrain. Der Zweiten Republik gelang hingegen aus dem völligen Zusammenbruch 1945 ein erstaunlicher Aufholprozess, der Österreich schließlich in das Spitzenfeld der wohlhabenden Länder Europas führte.

Wachsende Arbeitsproduktivität, innovatorische Leistungen der Unternehmen und das konstruktive Wirtschaftsklima, geprägt von der Sozialpartnerschaft, waren die wesentlichen Faktoren für diesen Erfolg. Heute steht die Wohlstandsgesellschaft neuen Chancen und Herausforderungen gegenüber: die Rolle in der erweiterten Europäischen Union und der Standortwettbewerb in einer globalisierten Wirtschaft, aber auch wachsende Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich.

Österreich in Europa

Bereits 1922 hatte Richard Coudenhove-Kalergi in Wien die Paneuropa-Union begründet. Österreich wurde 1948 Mitglied der OEEC (Organization for European Economic Cooperation), 1956 des Europarats und 1960 der EFTA (European Free Trade Association), konnte sich nicht mit der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) assoziieren, dafür aber 1972 Zoll- und Handelsverträge mit der EG abschließen. Am 17. Juli 1989 stellte Österreich den EG-Beitrittsantrag. Die Verhandlungen 1993/94 brachten Einigung bei Transit, Landwirtschaft, Umweltstandards sowie Neutralität. 1994 stimmte Österreich für die EU-Mitgliedschaft, so dass der Beitrittsvertrag – der zweite Staatsvertrag – am 24. Juni 1994 unterzeichnet werden konnte. Österreich gehörte ab 1995 auch dem Europäischen Währungssystem an. Österreichs EU-Bilanz ist von wirtschaftlicher Integration, höheren Auslandsinvestitionen, aber auch stärkerem Konkurrenzdruck, Insolvenzen sowie zunehmender Arbeitslosigkeit geprägt.

Kunstspur Meisterwerke

Die Österreichische Galerie Belvedere mit ihrer einzigartigen Sammlung von Bildern und Plastiken des Mittelalters bis zur Gegenwart ist das wichtigste Museum österreichischer Kunst. Nach der NS-bedingten Schließung des Museums im Belvedere war die Wiedereröffnung in den Jahren unmittelbar vor Unterzeichnung des Staatsvertrags ein politisches Signal in Hinblick auf die ersehnte Wiederherstellung der Souveränität. Im Rahmen der Ausstellung „Das neue Österreich“ werden ausgewählte Meisterwerke des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung der Österreichischen Galerie Belvedere, ergänzt durch Leihgaben, in einen neuen Kontext gestellt.Die Werke von Gustav Klimt und Egon Schiele, Friedensreich Hundertwasser, Maria Lassnig und Arnulf Rainer bis hin zu VertreterInnen des Wiener Aktionismus und der jüngsten Kunst begleiten als eigenständige „Kunstspur“ die historischen Themen. Sie schaffen ein optisches Pendant und inhaltliches Gegenüber.

Die Gestalter und die Ausstellungskonzeption

Eine historische Ausstellung hat die Aufgabe, höchst unterschiedlichen Gruppen von Betrachtern komplexe Zusammenhänge zu vermitteln. Dazu bedarf sie einer didaktisch klaren und dabei sinnlichen Inszenierung. Dieser Aufgabe nähert sich das Gestalterteam (Architekt Martin Kohlbauer und Sebastian Peichl von ART+COM) aus zwei Perspektiven: mit dem Blick des Architekten und dessen Gespür für Räume, Objekte und Materialien; und mit dem Blick des (Medien-) Gestalters aus der Erfahrung mit medialen und interaktiven Methoden der Wissensvermittlung. Die Verbindung von klassischen mit innovativen Darstellungsformen soll der Ausstellung einen eigenen Charakter verleihen. Zentrales Element der Ausstellungsgestaltung sind drei „Spuren‘, die sich leitmotivisch durch das Obere Belvedere ziehen.

Die „Exponatespur“ manifestiert sich in einer Lamperie, die entlang der Außenwände errichtet wurde. In dieser architektonischen Figur finden sich sämtliche Original-Objekte, die den einzelnen Themenbereichen zugehörig sind: Dokumente, Gegenstände, Artefakte. Auf den je gegenüberliegenden Wänden befindet sich die „Kunstspur“. Sie zeigt entlang chronologischer Abfolge Gemälde und Skulpturen, die im Dialog mit den historischen Themenfeldern stehen. Die Kunstwerke sind den Kapiteln assoziativ zugeordnet. Sie kommentieren, kontrastieren, ironisieren, irritieren.

Zwischen den beiden ersten befindet sich eine dritte Spur, die „Fahnenspur“. Ein 250 Meter langes, geschwungenes Band zieht sich durch sämtliche Ausstellungsräume. Es dient als Träger von Informationen und als Oberfläche für audiovisuelle Medien. Mit zahlreichen interaktiven Installationen lädt es die Besucher zur Teilnahme am Ausstellungsgeschehen ein. Das Fahnenband macht Inhalte sinnlich erfahrbar, haptisch und erkennend begreifbar. Der Besucher wird zum Akteur. Wenn er durch eine Lupe schaut, betrachtet er Dias; wenn er die Tasten eines Computerquiz betätigt, kann er an einem historischen Fragespiel teilnehmen; wenn er einen Hörtrichter bedient, lauscht er buchstäblich in die Geschichte hinein; indem er sensitive Oberflächen berührt, hat er die Möglichkeit, Begriffe auszulösen. Die rot-weiß-rote Fahne wird zu einem vielseitigen Medium für die bewegte Geschichte Österreichs von 1914 bis heute.

Die Trias dieser „Spuren“ erzeugt eine wechselnde Perspektivik. Die dreispurige Strukturierung entspricht der Vielschichtigkeit der Ausstellung. „Das neue Österreich“ erhält eine mehrfache Lesbarkeit. Zugleich gibt sie den Besuchern eine klare Orientierung. Beim Rundgang entsteht eine mentale Landkarte.

Kunstvermittlung und Besucherservice

Das Programm zur Ausstellung „Das neue Österreich“ beinhaltet Führungen, Kunstgespräche, Kulturspaziergänge und Vorträge. Das populäre Ausstellungsthema bietet einem großen Besucherspektrum Raum für verschiedenste inhaltliche Schwerpunkte. Besonderes Gewicht wird auf das jugendliche Publikum gelegt, das mit besonders handlungsorientierten kreativen Vermittlungsprogrammen, einer Jugendbroschüre und einem Rätselheft motiviert und unterstützt werden soll. Durch ein anspruchsvolles Vermittlungsangebot werden Kommunikationsprozesse in Gang gesetzt, wobei Wissensvermittlung und Unterhaltung keine Widersprüche sind. Unser Ziel ist eine besucherorientierte, auf allen Ebenen qualitätvolle Vermittlungsarbeit, die von einem Team aus HistorikerInnen, KunsthistorikerInnen und PädagogInnen durchgeführt wird.

Audioguide

Ein akustisches Führungsgerät zur Ausstellung ist in deutscher, englischer, französischer, italienischer, spanischer und russischer Sprache erhältlich. Nähere Informationen erhalten sie unter folgender Telefonnummer: 01/79557-137

Die Staatsvertragsausstellung

Editorial des "Komitee Staatsvertragsausstellung"

Als im Spätherbst 2003 eine schon budgetär vorgesehene Staatsvertragsausstellung aus finanziellen Gründen abgesagt wurde, traten Hannes Androsch, Herbert Krejci und Peter Weiser öffentlich dafür ein, dass man sich als Staatsbürger mit politischer Verantwortung damit nicht abfinden dürfe. Einige hundert Briefe an interessierte Bürger zeigten ein positives Echo, so dass knapp vor Weihnachten die Initiative realisiert werden konnte: Nach Gesprächen der drei Proponenten mit den Spitzen der Bundesregierung und der Stadt Wien wurde Einigung über eine Finanzierung auf Drittelbasis – Bund, Wien und eine private Sponsorengruppe – erzielt, so dass die Arbeit zügig aufgenommen werden konnte. Man kann hier von einer erfolgreichen private-public-partnership sprechen.

Die Träger der Ausstellung „Das neue Österreich“, die an historischem Ort, im Oberen Belvedere, stattfinden wird, sind sich über eines einig: Die Ausstellung ist weder „rot“ noch „schwarz, weder „rechts“, noch „links“, sie ist österreichisch. Die Gestalter der einzelnen historischen Abschnitte sind durch hohe fachliche Kompetenz ausgewiesene Persönlichkeiten, die ihre Aufgabe in voller Unabhängigkeit, geleitet nur von ihrer wissenschaftlichen Verantwortung, wahrnehmen. Ebenso besteht Einigkeit darüber, dass es nicht zu einer Verklärung historischer Entwicklungen kommen darf, sondern dass sachliche Information mit kritischer Selbstreflexion, aber ohne Scherbengericht aus Vorurteil verbunden werden muss. Österreich hat allen Grund, auf die Leistungen und Erfolge der ersten 50 Jahre der Zweiten Republik stolz zu sein, wie aber andererseits auch dunkle Seiten der Vergangenheit nicht verschwiegen oder beschönigt werden sollen. Der zeitliche Abstand und die Fülle mittlerweile gewonnener Erkenntnisse und Einsichten sollten es leichter machen, sich einem ebenso dramatisch-leidvollen wie ermutigenden Zeitabschnitt zu nähern.

Mit der Ausstellung soll vor allem die junge Generation Österreichs angesprochen werden. Die Präsentation wird daher nach modernsten Techniken gestaltet werden, die eindrucksvoll optisches und akustisches Zeitkolorit vermitteln. Wir hoffen, dass die Ausstellung „Das neue Österreich“ Erfahrungen vermitteln wird, die auch auf dem Weg unseres Landes in eine große europäische Staatengemeinschaft bestimmend sein können. Ein demokratischer Staat braucht die aktive Teilnahme seiner Bürger am politischen Geschehen, Toleranz, den Willen zu sachlicher Zusammenarbeit, eine dynamische Wirtschaft mit sozialer Sicherheit und Weltoffenheit. Die Zeit, da Österreich als „Versuchsstation für den Weltuntergang“ bezeichnet wurde, liegt hinter uns.

Komitee Staatsvertragsausstellung

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